Zuletzt aktualisiert am 1. Juni 2026 um 21:32
An sonnigen und windreichen Tagen kann Strom an der Börse zeitweise null Cent kosten oder sogar negative Preise erreichen. Für österreichische Haushalte klingt das nach Gratisstrom – doch in der Praxis profitieren vor allem jene, die ihren Verbrauch flexibel in günstige Stunden verschieben können.
Warum Strompreise zeitweise unter null fallen
Der Hintergrund ist der Umbau des Stromsystems. Wenn Photovoltaik- und Windkraftanlagen viel Energie liefern, während gleichzeitig wenig Strom verbraucht wird, entsteht kurzfristig ein Überangebot. Weil Stromproduktion und Stromverbrauch im Netz laufend im Gleichgewicht bleiben müssen, können die Börsenpreise in einzelnen Stunden stark fallen.
Besonders häufig passiert das rund um die Mittagszeit, an Wochenenden oder Feiertagen. Dann liefern viele Solaranlagen gleichzeitig Strom. Am Morgen und Abend kann die Lage dagegen ganz anders aussehen: Wenn viele Haushalte kochen, heizen, waschen oder Geräte nutzen, steigen die Preise wieder. Laut Bericht der Presse können solche Unterschiede im Tagesverlauf inzwischen deutlich ausfallen.
Dynamische Tarife: So funktioniert das Modell
Bei einem dynamischen Stromtarif wird der Energiepreis näher am Börsenpreis abgerechnet. Kundinnen und Kunden zahlen also je nach Stunde unterschiedliche Preise. Grundlage sind in der Regel Spotmarktpreise, dazu kommt ein Aufschlag des Anbieters.
Das kann attraktiv sein, wenn Verbrauch planbar ist. Wer ein E-Auto mittags lädt, eine Wärmepumpe in günstige Stunden verschiebt oder größere Verbraucher automatisch steuert, kann günstige Zeitfenster nutzen. Ohne solche Flexibilität kann der Effekt aber verpuffen.
Wichtig ist auch: Der Energiepreis ist nur ein Teil der Rechnung. Die E-Control weist in ihren Konsumenteninformationen darauf hin, dass neben dem Energieanteil auch Netzkosten sowie Steuern und Abgaben eine Rolle spielen. Einen Überblick über aktuelle Angebote bietet der Tarifkalkulator der E-Control.
Für wen sich variable Strompreise eher lohnen
| Haushalt mit E-Auto | Gutes Potenzial, wenn das Auto zu günstigen Stunden geladen werden kann. |
| Wärmepumpe oder Boiler | Kann profitieren, wenn Steuerung und Speicher sinnvoll genutzt werden. |
| Durchschnittshaushalt ohne flexible Geräte | Nur begrenztes Potenzial; Verbrauch fällt oft morgens und abends an. |
| Haushalt mit Preisgarantie | Sollte sorgfältig vergleichen, bevor ein stabiler Vertrag aufgegeben wird. |
Gerade für klassische Haushalte ohne große flexible Verbraucher ist Vorsicht sinnvoll. Im Bericht wird ein Beispiel genannt: Bei einem durchschnittlichen Verbrauch von rund 3.500 Kilowattstunden pro Jahr können dynamische Tarife laut Durchblicker für typische Haushalte sogar teurer sein als klassische Tarife. Der Grund ist einfach: Viele verbrauchen genau dann Strom, wenn auch alle anderen ihn brauchen – und diese Stunden sind häufig teurer.
Was bedeutet das für Sie?
Für Verbraucherinnen und Verbraucher in Österreich ist die wichtigste Frage nicht: „Gibt es negative Strompreise?“, sondern: „Kann ich meinen Verbrauch wirklich verschieben?“ Wer Waschmaschine, Geschirrspüler oder Boiler nur gelegentlich in günstige Stunden legt, spart meist weniger als Haushalte mit E-Auto, Wärmepumpe oder smartem Energiemanagement.
Prüfen Sie außerdem Ihre gesamte Stromrechnung. Auf DerFinanzcheck finden Sie eine laufend aktualisierte Übersicht zu Energie-Themen für Österreich. Wenn Sie generell höhere Stromkosten erwarten, kann auch dieser Überblick helfen: Stromrechnung 2026: Was Haushalte jetzt prüfen sollten.
Praktische Checkliste vor dem Wechsel
- Verbrauchsprofil prüfen: Wann fällt bei Ihnen der meiste Stromverbrauch an?
- Flexible Geräte identifizieren: E-Auto, Wärmepumpe, Boiler oder Klimaanlage bieten mehr Sparpotenzial als Kleingeräte.
- Gesamtkosten vergleichen: Achten Sie nicht nur auf den Börsenpreis, sondern auch auf Aufschläge, Grundgebühr, Bindung und Wechselbedingungen.
- Risiko einplanen: Dynamische Tarife können in günstigen Phasen sparen, bei hohen Marktpreisen aber auch belasten.
- Regelmäßig nachrechnen: Ein Tarif, der im Frühling passt, muss im Winter nicht automatisch die beste Wahl sein.
Fazit
Negative Strompreise sind ein sichtbares Zeichen dafür, wie stark sich der Energiemarkt verändert. Für Haushalte mit flexiblem Verbrauch können dynamische Tarife eine Chance sein. Für viele Durchschnittshaushalte gilt aber: Erst das eigene Verbrauchsverhalten prüfen, dann wechseln – sonst wird aus dem vermeintlichen Gratisstrom schnell ein teurer Tarif.
Quellen: Die Presse, E-Control Preisanalyse Strom & Gas, E-Control Tarifkalkulator.
Disclaimer: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Energie- oder Finanzberatung. Tarife und Preise können sich kurzfristig ändern.
Über den Autor: Omid Kafaji
Omid Kafaji ist staatlich geprüfter Vermögensberater, Kreditvermittler und Finanzierungsexperte aus Wien. Auf DerFinanzcheck.at erklärt er Finanzthemen für österreichische Verbraucher praxisnah, verständlich und mit Erfahrung aus der Finanzierungsbranche.







