Die Spritpreisbremse in Österreich war als schnelle Entlastung für Autofahrer gedacht – doch der Mineralölkonzern OMV hält sich nicht an die vollständige Umsetzung. Statt der vereinbarten 5 Cent pro Liter Preisnachlass bei Diesel gewährt OMV nur 2,8 Cent. Der Grund: Eine Notfallklausel in der Verordnung, die es Konzernen erlaubt, nicht ohne angemessenen Gewinn zu verkaufen.
Das betrifft nicht nur OMV-eigene Tankstellen. Weil OMV auch andere Tankstellennetzwerke beliefert, sind möglicherweise weitere Standorte von der reduzierten Entlastung betroffen.
Wie die Spritpreisbremse eigentlich funktioniert
Die Spritpreisbremse ist ein zweigleisiges Modell: Der Staat senkt die Mineralölsteuer um 5 Cent pro Liter, und die Mineralölkonzerne verzichten zusätzlich auf 5 Cent Gewinn. Zusammen ergibt das theoretisch eine Entlastung von 10 Cent pro Liter an der Zapfsäule.
Für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet das spürbare Einsparungen – besonders bei hohen Fahrleistungen oder beruflich bedingtem Pendeln. Doch genau diese versprochene Entlastung kippt nun zumindest teilweise, weil sich der größte Akteur am Markt nicht vollständig beteiligt.
Warum OMV auf die Notfallklausel pocht
OMV beruft sich auf eine Regelung in der Verordnung, die es Unternehmen erlaubt, von der Preisreduktion abzuweichen, wenn sie dadurch nicht ohne angemessenen Gewinn verkaufen können. Konkret heißt das: OMV argumentiert, dass ein vollständiger Verzicht auf 5 Cent Gewinn pro Liter die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens gefährden würde.
Für Kritiker klingt das wenig überzeugend. Denn OMV ist nicht irgendein kleiner Akteur – es ist der größte Mineralölkonzern Österreichs und erzielt seit Jahren Milliardengewinne. Genau deshalb überrascht die Weigerung, die volle Preissenkung weiterzugeben.
AK und ÖGB kritisieren scharf
Arbeiterkammer und Gewerkschaftsbord reagieren mit deutlichen Worten. In einer gemeinsamen Stellungnahme heißt es, OMV erziele Milliardenumsätze, weigere sich aber gleichzeitig, die vereinbarte Preisreduktion vollständig an die Kunden weiterzugeben. Das sei nicht nachvollziehbar und treffe jene Haushalte besonders hart, die auf das Auto angewiesen sind.
Die Kritik trifft einen wunden Punkt: Gerade bei den Energiekosten haben viele österreichische Haushalte in den vergangenen Jahren bereits starke Belastungen erfahren müssen. Eine nur teilweise umgesetzte Spritpreisbremse verstärkt diesen Eindruck.
Politische Reaktionen – von „Skandal“ bis „größter Murks“
Die politischen Reaktionen fallen unterschiedlich aus, aber in eine ähnliche Richtung:
- SPÖ bezeichnet die Weigerung von OMV als „Skandal“ und fordert Konsequenzen.
- NEOS äußern sich verwundert, dass ausgerechnet der größte Akteur am Markt anführe, keine Gewinne erzielen zu können.
- FPÖ nennt die gesamte Spritpreisbremse den „größten Murks“ und zweifelt das Konzept generell an.
Die unterschiedlichen Positionen zeigen: Das Thema ist politisch aufgeladen und wird in den kommenden Tagen weiter diskutiert werden.
E-Control prüft, Wirtschaftsministerium kündigt Sonderprüfung an
Die Energie-Control-Behörde (E-Control) prüft aktuell die Unterlagen von OMV, um festzustellen, ob die Berufung auf die Notfallklausel gerechtfertigt ist. Parallel hat das Wirtschaftsministerium eine Sonderprüfung angekündigt.
Das ist ein wichtiges Signal: Die Behörden nehmen die Sache ernst und lassen das Vorgehen von OMV nicht einfach durchgehen. Für Verbraucherinnen und Verbraucher bleibt abzuwarten, welche Ergebnisse diese Prüfungen liefern und ob es zu nachträglichen Korrekturen kommt.
Seit 13. April gelten wieder tägliche Preisänderungen
Ein weiterer Aspekt verschärft die Situation: Seit 13. April 2026 dürfen Tankstellen ihre Preise wieder einmal täglich ändern. Die zuvor geltende Dreitagesregel – wonach Preise nur alle drei Tage angepasst werden durften – ist ausgelaufen.
Das bedeutet für Autofahrerinnen und Autofahrer: Preise können wieder schneller steigen oder fallen. In Kombination mit der nur teilweise umgesetzten Spritpreisbremse entsteht eine Situation, in der die tatsächliche Entlastung an der Zapfsäule geringer ausfallen könnte als erhofft.
Was das für Autofahrerinnen und Autofahrer konkret bedeutet
Wer aktuell an einer OMV-Tankstelle tankt, spürt die reduzierte Entlastung direkt. Statt 10 Cent pro Liter insgesamt – 5 Cent vom Staat und 5 Cent vom Konzern – sind es bei OMV nur rund 7,8 Cent (5 Cent Steuersenkung plus 2,8 Cent OMV-Verzicht).
Für einen durchschnittlichen Verbrauch von 8 Litern pro 100 Kilometer und 15.000 Kilometer Jahresfahrleistung ergibt das eine Differenz von etwa 26 Euro pro Jahr weniger Entlastung als eigentlich vorgesehen. Bei höherem Verbrauch oder längeren Strecken entsprechend mehr.
Welche Alternativen haben Verbraucher?
Österreichweit gibt es zahlreiche Tankstellenketten, die nicht von OMV beliefert werden. Wer die volle Entlastung nutzen möchte, kann gezielt nach Alternativen suchen. Apps und Vergleichsportale helfen dabei, günstige Tankstellen in der Nähe zu finden.
Allerdings ist zu beachten: Auch andere Konzerne könnten ähnliche Schritte wie OMV gehen. Die endgültige Lage wird sich erst zeigen, wenn die Prüfungen von E-Control und Wirtschaftsministerium abgeschlossen sind.
Unser Fazit
Die Weigerung von OMV, die Spritpreisbremse vollständig umzusetzen, ist ein negatives Signal für Verbraucherinnen und Verbraucher in Österreich. Der Konzern beruft sich auf eine Notfallklausel, während er gleichzeitig Milliardengewinne ausweist – ein Widerspruch, den nicht nur die Politik kritisiert.
Positiv ist zumindest, dass die Behörden jetzt aktiv werden und das Vorgehen von OMV überprüfen. Für Autofahrerinnen und Autofahrer bleibt die Empfehlung: Preise vergleichen, alternative Tankstellen nutzen und die weitere Entwicklung beobachten.
Wer auch bei anderen Energiekosten sparen will, findet in unserem Strom- und Gas-Vergleich für Österreich sowie in unserer Übersicht zum aktuellen EVN-Strompreis weitere Informationen und Einsparpotenziale.







