Mehrwertsteuer gesenkt – Was sich für Ihren Wocheneinkauf wirklich ändert
Ab 1. Juli 2026 senkt Österreich die Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel von bisher 10 Prozent auf nur noch 4,9 Prozent. Die Regierung verspricht damit eine spürbare Entlastung für Haushalte im Alltag. Doch wie viel bleibt tatsächlich in Ihrer Geldbörse – und auf welche Produkte greifen Sie im Supermarkt künftig günstiger zu? Wir rechnen für Sie konkret durch.
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Welche Lebensmittel werden günstiger?
Die reduzierte Mehrwertsteuer betrifft eine breite Palette an Grundnahrungsmitteln. Konkret umfasst die Senkung unter anderem folgende Produkte:
- Milch und Milchprodukte – einschließlich laktosefreier tierischer Milch
- Kohlarten – Weißkraut, Karfiol und Kohlrabi
- Weiteres Gemüse – Kürbis, Paprika, Spargel und Melanzani
- Gefrorenes Gemüse – Erbsen und Spinat aus der Tiefkühltruhe
- Steinobst – Marillen, Kirschen, Pfirsiche und Zwetschken
- Brot und Gebäck – einschließlich glutenfreier Produkte
Besonders erfreulich: Auch glutenfreie Brot- und Gebäckprodukte sind von der Senkung erfasst. Das entlastet jene Haushalte, die aufgrund von Zöliakie oder Unverträglichkeiten ohnehin höhere Lebensmittelausgaben haben.
Rechenbeispiel: So viel sparen Sie beim Wocheneinkauf
Um die konkrete Auswirkung greifbar zu machen, rechnen wir ein typisches Einkaufsszenario durch. Nehmen wir an, Sie geben pro Woche rund 80 Euro für die von der Senkung betroffenen Grundnahrungsmittel aus:
- Milch, Joghurt, Butter: ca. 18 Euro
- Gemüse (frisch & tiefgekühlt): ca. 22 Euro
- Brot und Gebäck: ca. 12 Euro
- Obst (vorrangig Steinobst in der Saison): ca. 15 Euro
- Sonstige Grundnahrungsmittel: ca. 13 Euro
Die Rechnung: Bei einem Steuersatz von 10 Prozent entfallen auf den Nettopreis gerundet 72,73 Euro (80 Euro geteilt durch 1,10). Der Steueranteil beträgt somit etwa 7,27 Euro. Bei 4,9 Prozent Mehrwertsteuer kostet der gleiche Nettoeinkauf nur 76,42 Euro brutto (72,73 × 1,049). Das ergibt eine Ersparnis von rund 3,58 Euro pro Woche – das sind über 186 Euro pro Jahr.
Familien mit Kindern, die naturgemäß mehr Grundnahrungsmittel verbrauchen, profitieren entsprechend stärker. Bei einem Wochenbedarf von 120 Euro an betroffenen Produkten liegt die Ersparnis bei etwa 5,37 Euro wöchentlich – rund 279 Euro jährlich.
Wer profitiert am meisten?
Die Mehrwertsteuersenkung wirkt zwar auf den ersten Blick bescheiden, entfaltet aber ihre Wirkung besonders bei bestimmten Haushaltsgruppen:
- Familien mit Kindern: Höherer Verbrauch an Milch, Brot und Gemüse bedeutet absolute mehr Ersparnis.
- Personen mit Unverträglichkeiten: Glutenfreie Produkte sind explizit eingeschlossen – hier sparen Betroffene doppelt, da diese Produkte ohnehin teurer sind.
- Pensionistinnen und Pensionisten: Haushalte mit geringerem Einkommen geben einen größeren Anteil für Lebensmittel aus – die prozentuale Entlastung wirkt hier stärker.
- Alleinerziehende: Jede Entlastung zählt, wenn das Budget knapp kalkuliert ist.
Die Regierung rechnet insgesamt mit einer Entlastung von rund 400 Millionen Euro pro Jahr für die österreichischen Haushalte. Ob dieser Betrag tatsächlich vollständig bei den Konsumentinnen und Konsumenten ankommt, hängt allerdings auch davon ab, ob die Handelsketten die Steuersenkung tatsächlich an die Kunden weitergeben. Lesen Sie dazu auch unsere Tipps im nächsten Abschnitt.
5 Praxistipps: So nutzen Sie die Senkung optimal
1. Preise jetzt schon vergleichen und dokumentieren. Notieren Sie sich die aktuellen Preise Ihrer Standardprodukte. So können Sie ab 1. Juli kontrollieren, ob der Supermarkt die Steuersenkung wirklich weitergibt – oder ob die Preise trotzdem gleich bleiben.
2. Auf Aktionen achten. Besonders im Juli und August werden Handelsketten möglicherweise mit Sonderaktionen werben, um Kunden zu gewinnen. Nutzen Sie diese Gelegenheit für größere Einkäufe bei reduzierten Produkten.
3. Saisonales Obst und Gemüse bevorzugen. Marillen, Kirschen und Pfirsiche sind nicht nur von der Steuersenkung betroffen, sondern in der Sommersaison auch besonders günstig. Die doppelte Ersparnis macht sich bemerkbar.
4. Vergleichen Sie auch die Energiekosten. Wenn Sie sparen möchten, lohnt sich ein Blick über den Einkaufskorb hinaus. Auch bei Strom und Gas lassen sich Hunderte Euro pro Jahr einsparen. Überprüfen Sie regelmäßig Ihren Tarif auf unserem Strom- und Gasvergleich für Österreich.
5. Förderungen und Steuervorteile im Auge behalten. Die Mehrwertsteuersenkung ist nur eine von mehreren Entlastungsmaßnahmen. Informieren Sie sich regelmäßig über aktuelle Förderungen und Beihilfen, die Ihnen zustehen – von Familienbeihilfe bis Wohnbauförderung.
6. Steuertipps nicht vergessen. Neben der Mehrwertsteuer gibt es zahlreiche Möglichkeiten, bei der Einkommensteuer zu sparen. Unser Steuern- und Beruf-Hub bietet Ihnen aktuelle Ratgeber und Rechner für Ihre Steuererklärung.
Was passiert mit den Steuerausfällen?
Nicht ganz unumstritten ist die Frage, wie die Steuerausfälle kompensiert werden sollen. Finanzminister Markus Marterbauer räumt ein, dass die rund 200 Millionen Euro Verlust im Bundesbudget noch 2026 nicht vollständig gegengerechnet sind. Ob und wie die Lücke geschlossen wird, bleibt vorerst offen. Kritiker befürchten, dass die Einsparung bei den Konsumentinnen und Konsumenten durch andere Maßnahmen – etwa höhere Abgaben anderswo – wieder aufgezehrt werden könnte.
Aktuell gilt jedoch: Die Senkung ist beschlossen und tritt am 1. Juli 2026 in Kraft. Nutzen Sie die Gelegenheit, Ihren Einkauf strategisch darauf auszurichten.
Fazit: Kleine Senkung, große Wirkung über das Jahr
Die Mehrwertsteuersenkung von 10 auf 4,9 Prozent bei Grundnahrungsmitteln ist keine riesige Einzelersparnis – aber über das Jahr gerechnet summieren sich 186 bis 279 Euro zu einem spürbaren Betrag. Besonders Familien, Personen mit Unverträglichkeiten und einkommensschwache Haushalte profitieren. Der Schlüssel liegt darin, aktiv zu vergleichen und die Senkung tatsächlich auf dem Preisschild zu kontrollieren.
Quelle: kurier.at – Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel wird gesenkt







