Euro-Banknoten, Rechner und Laptop als Symbol für Lohntransparenz und Gehaltsplanung in Österreich

Gehälter werden transparenter: Was sich ab Juni 2026 für Arbeitnehmer ändert

Zuletzt aktualisiert am 1. Juni 2026 um 21:33

Österreich muss bis zum 7. Juni 2026 neue EU-Regeln zur Entgelttransparenz umsetzen. Für Arbeitnehmer und Bewerber könnte das deutlich mehr Klarheit bringen: Welche Gehaltsspanne gilt für eine Stelle, nach welchen Kriterien wird bezahlt – und wann darf man Auskunft verlangen?

Warum das Thema jetzt wichtig wird

Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie 2023/970 soll helfen, ungerechtfertigte Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern zu verringern. Österreich hat zwar bereits Regeln zu Gehaltsangaben in Stelleninseraten und Einkommensberichten, die neue Richtlinie geht aber deutlich weiter.

Für viele Beschäftigte ist das Thema besonders relevant, weil Gehaltsunterschiede oft schwer nachweisbar sind. Künftig sollen Arbeitgeber klarer erklären müssen, nach welchen objektiven und geschlechtsneutralen Kriterien Gehalt festgelegt und entwickelt wird.

Kurz gesagt: Es geht nicht darum, jedes einzelne Gehalt öffentlich zu machen. Es geht darum, nachvollziehbare Gehaltsspannen, Auskunftsrechte und faire Kriterien besser durchsetzbar zu machen.

Die wichtigsten Änderungen im Überblick

  • Mehr Transparenz im Bewerbungsprozess: Bewerber sollen Informationen über Einstiegsgehalt oder Gehaltsspanne erhalten, bevor ein Arbeitsvertrag abgeschlossen wird.
  • Auskunftsrechte für Beschäftigte: Arbeitnehmer sollen erfahren können, wie ihr Entgelt im Vergleich zu gleichwertiger Arbeit eingeordnet wird.
  • Objektive Kriterien: Gehalt, Entwicklung und Einstufung müssen nachvollziehbar und geschlechtsneutral begründet werden.
  • Berichte bei größeren Unternehmen: Ab bestimmten Unternehmensgrößen sollen Berichte über geschlechtsspezifische Entgeltunterschiede erstellt werden.

Was Bewerber künftig erwarten können

Besonders spürbar dürfte die Änderung bei Bewerbungen werden. Schon heute müssen österreichische Stellenanzeigen grundsätzlich ein kollektivvertragliches Mindestgehalt enthalten. In der Praxis steht aber oft nur ein Mindestbetrag im Inserat, während die tatsächliche Gehaltsspanne offen bleibt.

Mit den neuen Regeln soll klarer werden, welche Vergütung für eine konkrete Stelle realistisch ist. Das kann Bewerbern helfen, Gehaltsverhandlungen besser vorzubereiten und unrealistische Inserate schneller einzuordnen.

Was Arbeitnehmer wissen sollten

Für bestehende Arbeitsverhältnisse wird vor allem das Auskunftsrecht wichtig. Beschäftigte sollen nachvollziehen können, ob sie im Vergleich zu Kollegen mit gleicher oder gleichwertiger Arbeit fair bezahlt werden. Dabei geht es nicht um bloße Neugier, sondern um die Frage, ob eine sachliche Begründung für Unterschiede besteht.

Gerade in Österreich bleibt die tatsächliche Netto-Belastung durch Steuern und Abgaben ein wichtiges Thema. Eine bessere Gehaltstransparenz ersetzt daher keine persönliche Budgetplanung, kann aber helfen, den eigenen Marktwert und die Gehaltsentwicklung besser einzuschätzen. Wie stark Abgaben das Einkommen beeinflussen, zeigt auch unser Überblick zum Steuerkeil in Österreich.

Für wen die Regeln besonders relevant sind

Gruppe Möglicher Vorteil
Bewerber Bessere Orientierung bei Gehaltsspannen vor Vertragsabschluss
Beschäftigte Mehr Klarheit über faire Einstufung und Entwicklung
Arbeitgeber Mehr Aufwand, aber auch klarere und nachvollziehbare Gehaltsstrukturen
Größere Unternehmen Zusätzliche Berichts- und Analysepflichten zum Gender-Pay-Gap

Noch ist nicht alles fix

Wichtig ist: Die EU-Richtlinie gibt den Rahmen vor, die konkrete österreichische Umsetzung muss aber noch in nationales Recht gegossen werden. Details können sich daher noch ändern. Klar ist allerdings schon jetzt, dass Unternehmen und Beschäftigte sich auf mehr Transparenz einstellen sollten.

Wer 2026 einen Jobwechsel plant oder eine Gehaltsverhandlung vorbereitet, sollte nicht nur auf das Bruttogehalt achten. Auch steuerfreie Prämien und Sonderzahlungen können relevant sein – etwa die steuerfreie Mitarbeiterprämie 2026.

Was Sie jetzt praktisch tun können

  1. Eigene Unterlagen sammeln: Dienstvertrag, Einstufung, Kollektivvertrag und Gehaltsentwicklung bereithalten.
  2. Gehaltsspannen prüfen: Vergleichen Sie Inserate nicht nur nach Mindestgehalt, sondern nach realistischen Bandbreiten.
  3. Argumente vorbereiten: Verantwortung, Erfahrung, Belastung und Leistung sachlich dokumentieren.
  4. Auf die nationale Umsetzung achten: Erst das österreichische Gesetz wird die Details für konkrete Ansprüche festlegen.
Wichtig: Die neuen Regeln bedeuten nicht automatisch, dass jeder Arbeitnehmer sofort mehr Gehalt bekommt. Sie verbessern aber die Informationslage – und damit die Grundlage für faire Gespräche und mögliche Ansprüche.

Fazit

Die kommende Lohntransparenz könnte für Arbeitnehmer in Österreich ein spürbarer Schritt zu mehr Fairness sein. Entscheidend wird sein, wie Österreich die EU-Vorgaben konkret umsetzt und wie konsequent die neuen Rechte in der Praxis angewendet werden.

Für Beschäftigte lohnt es sich, das Thema schon jetzt im Blick zu behalten: Wer Gehaltsstrukturen versteht, kann Bewerbungen, Verhandlungen und die eigene Finanzplanung deutlich besser einschätzen.

Quellen

Hinweis: Dieser Artikel bietet allgemeine Informationen und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.

Omid Kafaji, staatlich geprüfter Vermögensberater und Finanzierungsexperte aus Wien

Über den Autor: Omid Kafaji

Omid Kafaji ist staatlich geprüfter Vermögensberater, Kreditvermittler und Finanzierungsexperte aus Wien. Auf DerFinanzcheck.at erklärt er Finanzthemen für österreichische Verbraucher praxisnah, verständlich und mit Erfahrung aus der Finanzierungsbranche.

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