Glas mit Euro-Münzen - Symbol für Lohnnebenkosten und Ersparnisse

Lohnnebenkosten senken: Was die Budgetpläne für Arbeitnehmer bedeuten

ÖVP und Neos drängen bei den Budgetverhandlungen auf eine Senkung der Lohnnebenkosten ab 2028. Konkret geht es um eine Reduzierung des Dienstgeberbeitrags zum Familienlastenausgleichsfonds (FLAF) um einen Prozentpunkt. Was das für Arbeitnehmer bedeuten würde – und wie Österreich im internationalen Vergleich dasteht.

Was sind Lohnnebenkosten überhaupt?

Ein Bruttogehalt besteht aus drei Teilen: dem Nettogehalt, der Lohnsteuer und den Abgaben, die sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber teilen. Die Arbeitgeber-Abgaben werden als Lohnnebenkosten bezeichnet. Dazu zählen Beiträge zur Sozialversicherung, aber auch die Kommunalsteuer, die Arbeiterkammerumlage und der Beitrag zur Wohnbauförderung.

Im Zentrum der aktuellen Debatte steht der Familienlastenausgleichsfonds (FLAF). Über diesen Fonds werden Familienleistungen wie Familienbeihilfe, Kinderbetreuungsgeld, Karenzgeld und Schulbücher finanziert. Der Dienstgeberbeitrag zum FLAF liegt derzeit bei 3,7 Prozent.

Österreich im OECD-Spitzenfeld – bei den Abgaben

Mit einer Steuer- und Abgabenlast auf Arbeit von 47,1 Prozent belegte Österreich 2025 im Vergleich von 38 OECD-Staaten den vierten Platz. Besonders auffällig: Während der Anteil der Lohnsteuern mit 11,4 Prozent unter dem OECD-Durchschnitt von 23,4 Prozent lag, waren die Lohnnebenkosten mit 21,4 Prozent deutlich höher als der Durchschnitt von 13,5 Prozent. Gleiches gilt für die Sozialabgaben.

Das macht den Faktor Arbeit in Österreich vergleichsweise teuer – ein Standortnachteil, den die geplante Senkung zumindest abfedern soll.

Der Plan: FLAF um einen Prozentpunkt senken

Die geplante Maßnahme: Der Dienstgeberbeitrag zum FLAF sinkt um einen Prozentpunkt – von 3,7 auf 2,7 Prozent. Das würde den Staat rund zwei Milliarden Euro kosten, die aus dem Budget gegenfinanziert werden müssten.

WIFO-Ökonomin Margit Schratzenstaller sieht darin einen sinnvollen Schritt: „Es ist nicht der schlechteste Zeitpunkt. In einer Situation der Stagnation kann eine Lohnnebenkostensenkung positive Beschäftigungseffekte haben, denn der Faktor Arbeit ist in Österreich generell hoch besteuert.“ Allerdings warnt sie: „Ohne Gegenfinanzierung ist das budgetär überhaupt nicht drin. Die Familienleistungen will nämlich glaub ich niemand entsprechend senken.“

Profitieren auch Arbeitnehmer? Die entscheidende Frage

Ob eine Senkung der Lohnnebenkosten auch bei den Arbeitnehmern ankommt, hängt davon ab, ob die Unternehmen die Entlastung teilweise an ihre Mitarbeiter weitergeben – etwa in Form höherer Löhne. Das bleibt prinzipiell jedem Arbeitgeber selbst überlassen.

Aus diesem Grund sind ÖGB und Arbeiterkammer große Kritiker der Maßnahme. Sie befürchten, dass die Entlastung vor allem bei den Unternehmen bleibt und nicht bei den Beschäftigten ankommt. WIFO-Ökonomin Schratzenstaller hält dagegen: „Im Normalfall werde schon ein Teil weitergegeben.“ Konkrete Studien zur Höhe des weitergegebenen Anteils gibt es jedoch nicht.

Was bedeutet das für Ihr Einkommen?

Die geplante Senkung ist zunächst einmal ein erster Schritt. Perspektivisch wären weitere Maßnahmen nötig, um die hohe Abgabenlast auf Arbeit in Österreich zu reduzieren. Die WIFO-Expertin schlägt vor, das gesamte Abgabensystem aufkommensneutral umzustrukturieren – etwa durch eine höhere Grundsteuer, die Einführung einer Erbschaftssteuer oder das Streichen klimaschädlicher Subventionen.

Bis es so weit ist: Wer jetzt schon mehr von seinem Gehalt behalten will, sollte den Lohnsteuerausgleich 2026 nicht vergessen. Denn durch die neue Steuerfreigrenze und höhere Pendlerpauschale können Sie sich bis zu mehrere Hundert Euro vom Finanzamt zurückholen.

Fazit

Die geplante Lohnnebenkostensenkung ab 2028 ist ein positives Signal – aber noch kein Beschluss. Ob und in welcher Form die Maßnahme kommt, hängt vom weiteren Verlauf der Budgetverhandlungen ab. Für Arbeitnehmer bleibt abzuwarten, ob die Entlastung auch tatsächlich im Geldbörsel ankommt. Bis dahin lohnt sich ein Blick auf die steuerlichen Möglichkeiten, die schon heute nutzbar sind.

Quelle: Kurier.at (27.04.2026)