Ab 20. November 2026 tritt die neue EU-Verbraucherkreditrichtlinie in Kraft – und verändert den Markt für „Buy Now, Pay Later“ (BNPL) wie Klarna, Afterpay oder PayPal-Ratenzahlung grundlegend. Auch in Österreich müssen Anbieter künftig Bonitätsprüfungen durchführen und Verbraucher besser schützen.
Für Millionen österreichische Online-Shopper bedeutet das: Die bequeme Ratenzahlung wird regulierter, aber möglicherweise auch schwieriger zu bekommen. Wir zeigen, was sich konkret ändert und worauf Sie achten sollten.
Was ändert sich bei Klarna & Co. ab November 2026?
Bislang fielen BNPL-Angebote unter 200 Euro oder mit Laufzeiten unter drei Monaten durch ein regulatorisches Raster. Käufer konnten ohne Bonitätsprüfung auf Rechnung bestellen oder in Raten zahlen. Das ändert sich schlagartig:
- Bonitätsprüfung Pflicht: Auch für Kleinkredite unter 200 Euro müssen Anbieter prüfen, ob Kunden die Raten tragen können
- Widerrufsrecht verlängert: 14 Tage Rücktrittsrecht gilt künftig einheitlich für alle Kreditformen
- Transparenzpflicht: Klare Kostenaufstellung und Warnhinweise vor dem Abschluss
- Registrierungspflicht: BNPL-Darlehen müssen in manchen Ländern bei Kreditregistern gemeldet werden
Warum der Gesetzgeber jetzt eingreift
Die Zahlen der deutschen Finanzaufsicht BaFin (analog österreichische Verhältnisse) zeigen ein alarmierendes Bild: 14 Prozent aller BNPL-Nutzer haben schon einmal den Überblick über offene Rechnungen verloren. Bei den Unter-30-Jährigen sind es sogar 24 Prozent.
Die durchschnittliche offene BNPL-Rechnung bei jungen Erwachsenen liegt bei 342 Euro – verteilt auf drei bis vier verschiedene Anbieter gleichzeitig. Das ergibt schnell eine vierstellige Gesamtschuld, die über verschiedene Apps und Fälligkeitstermine verteilt ist.
Auswirkungen für österreichische Verbraucher
1. Schwierigere Zugangsbedingungen
Wer bisher problemlos bei Klarna auf Rechnung gekauft hat, wird künftig häufiger abgelehnt werden. Schätzungen zufolge könnten 15 bis 20 Prozent der bisherigen BNPL-Transaktionen aufgrund negativer Bonitätsprüfungen nicht mehr durchgeführt werden.
2. Längere Checkout-Prozesse
Der sogenannte „Zwei-Tap-Checkout“ – zwei Klicks und die Bestellung ist ohne Prüfung durch – gehört der Vergangenheit an. Die Bonitätsprüfung nimmt Zeit in Anspruch, verlängert den Bestellvorgang und kann zu höheren Abbruchraten führen.
3. Bessere Übersicht über Schulden
Die Meldung von BNPL-Krediten an Register sorgt für mehr Transparenz. Verbraucher sehen künftig alle offenen BNPL-Verpflichtungen zentral – und verlieren nicht mehr so leicht den Überblick über ihre Gesamtschuldenlast.
Wer ist von der neuen Regulierung betroffen?
Die neuen Regeln gelten für alle Formen des „Buy Now, Pay Later“, darunter:
- Klarna (Rechnung, Ratenzahlung)
- PayPal Ratenzahlung
- Afterpay
- 0%-Finanzierungen beim Möbel- oder Elektronikhändler
- Alle anderen BNPL-Anbieter mit Sitz in der EU
Auch österreichische Händler, die Ratenzahlungen über eigene Finanzierungspartner anbieten, müssen die neuen Vorgaben umsetzen.
Die neuen Pflichten im Detail
| Anforderung | Bisher | Ab November 2026 |
|---|---|---|
| Bonitätsprüfung | Nur bei Beträgen über 200 € | Verpflichtend für alle Beträge |
| Widerrufsrecht | Nicht einheitlich geregelt | 14 Tage gesetzlich garantiert |
| Kostenaufstellung | Oft unklar | Pflicht zur vollständigen Offenlegung |
| Kreditregister | Keine Meldung | In vielen Ländern Pflicht |
Was bedeutet das für Online-Händler?
Für österreichische Online-Shops hat die Regulierung weitreichende Konsequenzen:
- Umstellungsaufwand: Checkout-Prozesse und Zahlungsintegrationen müssen angepasst werden
- Höhere Abbruchraten: Längere Prozesse und Ablehnungen können zu weniger Conversion führen
- Kostensteigerungen: BNPL-Anbieter werden höhere Prüf- und Compliance-Kosten an Händler weitergeben
Experten erwarten, dass kleinere Händler zunehmend auf klassische Zahlungsmethoden oder traditionelle Ratenkredite ausweichen werden.
Tips für Verbraucher
- Behalten Sie den Überblick: Notieren Sie alle laufenden BNPL-Verpflichtungen mit Fälligkeiten
- Nur das kaufen, was Sie sich leisten können: Auch ohne Regulierung bleibt der Grundsatz: Ratenkäufe sollten im Budget planbar sein
- Alternative prüfen: Vergleichen Sie BNPL-Angebote mit traditionellen Konsumentenkrediten – oft sind diese günstiger
- Schufa/KSV prüfen: Holen Sie vor größeren Käufen eine Selbstauskunft ein, um Überraschungen bei der Bonitätsprüfung zu vermeiden
Fazit: Mehr Schutz, aber auch mehr Hürden
Die neue EU-Verbraucherkreditrichtlinie ist ein wichtiger Schritt zum besseren Schutz von Verbrauchern vor übermäßiger Verschuldung. Die Pflicht zur Bonitätsprüfung verhindert, dass Menschen über ihre Verhältnisse kaufen – ein Problem, das besonders junge Erwachsene betrifft.
Gleichzeitig werden bequeme Zahlungsmethoden für seriöse Käufer zugänglicher und Online-Shopping insgesamt etwas komplexer. Wer bislang problemlos mit Klarna & Co. gearbeitet hat, sollte sich auf längere Prozesse und häufigere Ablehnungen einstellen.
Quellen: Klarna International, EU-Verbraucherkreditrichtlinie 2023/2225, BaFin-Studie Februar 2026
Hinweis: Dieser Artikel dient zu Informationszwecken. Rechtsverbindliche Informationen entnehmen Sie bitte dem offiziellen Regierungsentwurf oder konsultieren einen Rechtsanwalt.







