Europa hat sich die Finger verbrannt – zumindest an der Börse. Im März 2026 sind die Zuflüsse in ETFs regelrecht abgestürzt: Nur noch rund 9,4 Milliarden Euro flossen in börsengehandelte Indexfonds. Im Januar und Februar waren es jeweils über 45 Milliarden Euro gewesen.
Was ist passiert? Und wichtiger: Was solltest du als Anleger jetzt tun?
Die Fakten: Warum die ETF-Zuflüsse eingebrochen sind
Der Auslöser ist klar: Die Eskalation im Nahen Osten und die damit verbundene geopolitische Unsicherheit haben Anleger verunsichert. Laut einer Analyse des Fondsanalysehauses Morningstar saßen viele Anleger im März „fest an der Seitenlinie“ – sie haben nicht verkauft, aber auch nicht nachgekauft. Manche haben sogar ihre ETF-Sparpläne pausiert.
Die Zahlen im Detail:
- Aktien-ETFs: Nur 8,8 Milliarden Euro Zuflüsse – ein massiver Rückgang von knapp 40 Milliarden im Februar
- Anleihe-ETFs: 2,4 Milliarden Euro Netto-Abflüsse
- Finanz-ETFs: 3,7 Milliarden Euro Abflüsse – so viel wie noch nie in einem einzigen Monat. Der Grund: Bei drohender Rezession steigen die Risiken für Kreditausfälle
Der einzige Gewinner: Energie-ETFs
Während fast alle Anlageklassen unter Druck standen, gab es einen klaren Gewinner: Energie-ETFs. Rund 1,7 Milliarden Euro flossen in diesen Sektor. Treiber sind die gestiegenen Ölpreise und die Erwartung, dass geopolitische Spannungen das Angebot verknappen könnten.
Auch aktive Fonds profitierten – allerdings aus einem anderen Grund. Anleger suchten aktiv nach Besserwisser-Fondsmanagern, die den Markt „timen“ können. Rund 2,4 Milliarden Euro flossen in aktiv gemanagte Fonds, die dafür deutlich höhere Gebühren verlangen als passive ETFs. Die Realität: Den Markt dauerhaft zu schlagen, ist statistisch fast unmöglich.
Solltest du deinen ETF-Sparplan pausieren?
Kurze Antwort: Nein.
Lange Antwort: Gerade in unsicheren Zeiten zeigt sich der Vorteil des Cost-Average-Effekts (Dollar-Cost-Averaging). Wenn du regelmäßig einen festen Betrag in einen breit gestreuten ETF investierst, kaufst du automatisch mehr Anteile, wenn die Kurse niedrig sind – und weniger, wenn sie hoch sind. Genau jetzt, wenn andere panisch an der Seitenlinie sitzen, kaufst du günstiger ein.
Wer seinen Sparplan pausiert, verpasst genau die Phase, in der die Märkte typischerweise am stärksten rebounden. Historisch gesehen folgt auf jeden größeren Korrektur eine Erholung – oft schneller als erwartet.
Was Experten raten
Statt den Sparplan zu stoppen, solltest du:
- Weiterlaufen lassen – Dein bestehender Sparplan bleibt der beste Weg, um langfristig Vermögen aufzubauen
- Notgroschen prüfen – Hast du 3–6 Monatsgehälter auf der Seite? Falls nicht, Priorität auf den Cash-Buffer
- Diversifikation checken – Wer nur in einen einzigen Sektor (z.B. Tech) investiert, sollte breiter streuen. Ein MSCI World oder FTSE All-World reduziert das Risiko erheblich. Mehr zu langfristigen Markttrends
- Aktive Fonds meiden – Die höheren Gebühren fressen langfristig die Rendite auf. Passive ETFs schlagen aktiv gemanagte Fonds in 80–90 % der Fälle über 15 Jahre
Der Blick nach vorne
Ja, der Nahost-Konflikt ist ein echtes Risiko. Ja, die Märkte sind volatil. Aber wer in den letzten 20 Jahren bei jedem Krisen-Event in Panik verkauft oder pausiert hat, hat langfristig Geld verloren. Wer dagegen diszipliniert weiter investiert hat, steht heute deutlich besser da.
Die Märkte erholen sich immer – die Frage ist nur, ob du dabei bist, wenn es passiert.
Quelle: heute.at / Morningstar / n-tv.de
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