Die österreichische Bundesregierung plant, den Ausbau von Biogas über die Stromrechnung zu finanzieren. Der Entwurf des „Erneuerbare-Gas-Gesetzes“ (EGG) sieht vor, dass alle Stromkunden – Haushalte wie Unternehmen – eine neue Abgabe zahlen sollen, obwohl sie vom Biogas selbst keinen direkten Nutzen haben. Kritiker sprechen bereits von einer „verkehrten Quersubventionierung“.
Was plant die Regierung?
Ziel des Gesetzes ist es, die Abhängigkeit Österreichs von fossilen Gasimporten zu reduzieren und heimisches Biomethan zu fördern. Als Rohstoffe sind Forstabfälle, Biomüll und Gülle vorgesehen. Bis 2030 soll die Biogasproduktion auf 1 Terawattstunde (TWh) pro Jahr steigen – derzeit werden lediglich rund 0,1 TWh eingespeist.
Wer zahlt – und warum das problematisch ist
Das Überraschende am Gesetzesentwurf: Die Kosten werden nicht den Gaskunden aufgebtürdet, die das Biomethan tatsächlich verbrauchen, sondern allen Stromkunden über bestehende Abgaben:
- EAG-Förderbeitrag
- EAG-Förderpauschale (bisher für Ökostrom-Kraftwerke vorgesehen)
| Zeitraum | Förderbedarf |
|---|---|
| Jährlich (ab Start) | ca. 150 Mio. Euro |
| Bis 2030 (maximal) | bis zu 245 Mio. Euro/Jahr |
Die 150 Mio. Euro entsprechen mehr als einem Drittel aller Förderungen für erneuerbare Stromerzeugung (2026). Die Positionen auf der Stromrechnung müssten um ein gutes Viertel steigen.
Kritik aus der Energiebranche
Verbund-Chef und Präsident von Österreichs Energie, Michael Strugl, übt scharfe Kritik:
„Das wird Strom verteuern, ich halte das für kontraproduktiv. Warum soll der Stromkunde etwas zahlen, von dem er gar nichts hat? Das muss der Gesetzgeber dem Stromkunden erklären.“
Das EGG widerspricht damit dem erklärten politischen Ziel der Bundesregierung, die Strompreise für Haushalte zu senken. Dabei gibt es aktuell durchaus positive Entwicklungen: So hat die Energie AG ihren Strompreis ab Mai 2026 gesenkt – ein Schritt in die entgegengesetzte Richtung.
Politische Hintergründe
Das Finanzierungsmodell geht auf einen Kompromiss zwischen der Agrarfraktion der ÖVP und der Wiener SPÖ zurück. Die Wien Energie benötigt künftig große Biogasmengen für saubere Fernwärme. Das Gesetz befindet sich laut Energieministerium noch in koalitärer Abstimmung – ist also noch nicht beschlossen.
Was bedeutet das für Sie als Haushalt?
Sollte das Gesetz in dieser Form beschlossen werden, würden die Strom-Förderabgaben auf Ihrer Jahresrechnung merklich steigen. Bei einem durchschnittlichen Haushalt mit rund 3.500 kWh Jahresverbrauch könnten die Mehrkosten im zweistelligen Euro-Bereich pro Jahr liegen. Beachten Sie dabei auch, dass bereits die Gas-Netzentgelte 2026 um 18 % gestiegen sind – die Gesamtenergiekosten für Haushalte steigen also von mehreren Seiten.
Praxistipps
- Stromanbieter vergleichen: Günstigere Tarife können steigende Abgaben teilweise kompensieren. Nutzen Sie den Tarifkalkulator der E-Control.
- Energieverbrauch senken: Effiziente Geräte und Dämmung reduzieren Ihren Verbrauch – und damit auch die Abgabenlast.
- Entwicklung verfolgen: Das Gesetz ist noch nicht beschlossen. Verfolgen Sie die Parlamentsnachrichten, bevor Sie langfristige Verträge abschließen.
- Sozialtarif prüfen: Einkommensschwache Haushalte können seit April 2026 von einem neuen Strom-Sozialtarif profitieren (6 Cent netto/kWh für die ersten 2.900 kWh).
Fazit
Das „Erneuerbare-Gas-Gesetz“ verfolgt ein sinnvolles Ziel – Österreich unabhängiger von Gasimporten zu machen. Die geplante Finanzierung über die Stromrechnung ist jedoch ein kontroverser Ansatz, der Haushalten und Unternehmen höhere Kosten bringen würde. Ob das Gesetz in dieser Form beschlossen wird, bleibt abzuwarten.
Quelle: Die Presse – 16.04.2026
Hinweis: Das Gesetz befindet sich noch in Abstimmung. Dieser Artikel gibt den Stand vom 16. April 2026 wieder und ersetzt keine individuelle Energieberatung.







