Budgetkonsolidierung in Österreich: Was die Sparpläne für Ihr Geld bedeuten

Die österreichische Regierung verhandelt derzeit auf mehreren Ebenen über das Doppelbudget 2027/2028 — und die Gespräche laufen auf Hochtouren. Am Sonntag wurde bis spät in die Nacht gerungen, am Montag ging es weiter. Das tatsächliche Ausmaß des Sparbedarfs soll noch am Montagabend bekanntgegeben werden. Für viele Haushalte stellt sich die Frage: Was kommt auf uns zu?

Wie viel muss gespart werden?

Mindestens zwei Milliarden Euro müssen zusätzlich eingespart werden, um den vorgegebenen Budgetpfad einzuhalten. Die tatsächliche Höhe hängt auch davon ab, welche Offensivmaßnahmen die Parteien zusätzlich finanzieren wollen. Der frühere Budgetsektionschef Gerhard Steger, heute Experte beim Internationalen Währungsfonds (IWF), geht sogar von 15 Milliarden Euro aus, die nötig wären, um „die steigende Schuldenentwicklung ins Gegenteil zu verkehren“.

„Ohne Schmerzen wird es nicht gehen. Wichtig ist, dass die Schmerzen alle treffen. Aber es braucht eine soziale Balance. Eine Budgetsanierung, die niemand spürt, ist ein Märchen.“ — Gerhard Steger, Budgetexperte IWF

Die heißen Eisen: Pensionen, Lohnnebenkosten und mehr

Steger nennt mehrere Bereiche, die zur Budgetmisere beitragen: demografiebedingte Ausgaben wie Pensionen, Gesundheit und Pflege, das „ineffiziente System des Föderalismus“ und „üppig über die Landschaft verstreute Förderungen“. Die Pensionistenvertreter reagierten bereits alarmiert auf Berichte über mögliche Einsparungen bei Pensionen und warnen davor, zum „Bankomaten der Nation“ gemacht zu werden.

Auch die Budget- und Steuerexpertin des WIFO, Margit Schratzenstaller, bezeichnet die Lage als „relativ ernst“. Sie betont: Sparen dürfe nicht auf Kosten der Konjunktur und notwendiger Investitionen etwa in der Kinderbetreuung gehen.

Lohnnebenkosten senken — Entlastung für Arbeitnehmer?

Eine Einigung zeichnet sich bei der Senkung der Lohnnebenkosten ab, die vor allem ÖVP und NEOS fordern. Der Plan: Die Dienstgeberbeiträge zum Familienlastenausgleichsfonds (FLAF) sollen von 3,7 Prozent um einen Prozentpunkt gesenkt werden — hauptsächlich ab 2028. Das würde das Budget mit rund zwei Milliarden Euro belasten, könnte aber Arbeitnehmer entlasten.

Steuern oder sparen? Die Positionen der Parteien

Ein Drittel der Budgetsanierung soll einnahmenseitig erfolgen, zwei Drittel ausgabenseitig. Dabei liegen die Vorstellungen der Koalitionsparteien weit auseinander:

  • SPÖ: Größere Unternehmen und Banken stärker zur Kasse bitten, Einführung einer Erbschafts- und Vermögenssteuer
  • ÖVP/NEOS: Keine neuen Steuern, sondern Einsparungen im Förderwesen und in der Verwaltung
  • FPÖ: Deutliche Verkleinerung der Bundesregierung und der Mitarbeiterzahl
  • Agenda Austria: Schrittweise Anhebung des Pensionsantrittsalters auf 68 Jahre ab 2028, Pensionserhöhung unter der Inflation bis 2029

Was bedeutet das für Sie?

Die Budgetverhandlungen werden direkte Auswirkungen auf Ihren Geldbeutel haben — egal ob durch Steueränderungen, höhere Abgaben oder Einsparungen bei Förderungen. Besonders betroffen sein könnten:

  • Pensionisten: Mögliche Anpassungen bei Pensionserhöhungen oder Antrittsalter
  • Arbeitnehmer: Mögliche Entlastung durch niedrigere Lohnnebenkosten ab 2028
  • Haushalte: Je nach Konsolidierungsmaßnahmen könnten indirekte Belastungen (etwa via Mehrwertsteuer) drohen

Fazit

Die Budgetkonsolidierung steht noch am Anfang, aber die Richtung ist klar: Es wird gespart werden müssen. Wie stark die Österreicherinnen und Österreicher die Einsparungen tatsächlich spüren, hängt von den Details ab, die in den kommenden Tagen erwartet werden. Wir halten Sie auf dem Laufenden.

Quelle: ORF.at, ZIB 2, WIFO, APA

Disclaimer: Dieser Artikel dient der Information und stellt keine Steuer- oder Rechtsberatung dar.