Elektroauto beim Laden als Symbol für Stromkosten im Vergleich zu Biosprit

Biosprit 79 Prozent teurer als Strom: Was Autofahrer jetzt wissen müssen

Eine neue Analyse bringt Bewegung in die Debatte um alternative Kraftstoffe: Autofahren mit reinem HVO-Biosprit ist demnach im Schnitt um 79 Prozent teurer als Fahren mit Strom. Für viele Autofahrer stellt sich damit die Frage, ob Biosprit wirklich eine günstige Übergangslösung ist – oder ob der Preisvorteil im Alltag eher beim E-Auto liegt.

Die wichtigste Zahl: 13 Euro statt 7 Euro pro 100 Kilometer

Kernpunkt: Laut der von ORF.at aufgegriffenen Analyse von Transport & Environment kostet das Laden eines E-Autos in der EU rund 7 Euro pro 100 Kilometer. Für dieselbe Strecke mit reinem HVO werden rund 13 Euro genannt. Das entspricht einem Aufschlag von etwa 79 Prozent.

Die Zahl ist deshalb so relevant, weil viele Diskussionen über alternative Kraftstoffe sehr technisch geführt werden. Für Haushalte zählt aber am Ende eine einfache Frage: Wie viel kostet mich Mobilität im Alltag? Genau hier wird der Unterschied pro 100 Kilometer schnell spürbar – vor allem bei Pendlern und Vielfahrern.

Was heißt das auf das Jahr gerechnet?

Wer 10.000 Kilometer pro Jahr fährt, kommt bei den genannten Durchschnittswerten mit Strom auf rund 700 Euro Energiekosten. Bei reinem HVO wären es rechnerisch etwa 1.300 Euro. Der Unterschied läge damit bei rund 600 Euro pro Jahr. Bei 15.000 Kilometern wären es bereits etwa 900 Euro Differenz.

Wichtig: Das ist eine vereinfachte Beispielrechnung mit Durchschnittswerten. In der Praxis hängen die Kosten stark davon ab, ob zu Hause geladen wird, welcher Stromtarif gilt, wie teuer öffentliche Lader sind und zu welchem Preis HVO regional verfügbar ist.

Warum HVO trotzdem als Übergangslösung gilt

HVO steht für hydriertes Pflanzenöl. Der Kraftstoff kann in vielen bestehenden Dieselmotoren eingesetzt werden und wird deshalb oft als sogenannte „Drop-in“-Lösung bezeichnet. Für Fahrerinnen und Fahrer klingt das zunächst attraktiv: Das Auto bleibt dasselbe, nur der Kraftstoff ändert sich.

Genau hier liegt aber auch der Knackpunkt. Wenn ein alternativer Kraftstoff zwar technisch funktioniert, aber deutlich teurer und nicht überall verfügbar ist, wird er für private Haushalte schnell zur Nischenlösung. Besonders für Pendler, Familien und Vielfahrer zählt am Ende nicht nur die Klimabilanz, sondern auch die monatliche Belastung.

Kostenvergleich auf einen Blick

Antrieb / Kraftstoffgenannte Kosten pro 100 kmEinordnung
E-Auto mit Stromrund 7 Euroim Vergleich günstiger, stark abhängig vom Ladetarif
Verbrenner mit reinem HVOrund 13 Eurolaut Analyse im Schnitt deutlich teurer
Unterschiedca. 79 Prozentrelevant vor allem für Vielfahrer

Was bedeutet das für österreichische Autofahrer?

Für Österreich ist die Frage besonders praktisch: Viele Haushalte vergleichen derzeit nicht nur Spritpreise, sondern auch Stromkosten, Ladeoptionen und mögliche Entlastungen. Wer zu Hause laden kann oder günstige Tarife nutzt, hat beim E-Auto oft einen anderen Kostenrahmen als jemand, der ausschließlich öffentliche Schnelllader verwendet. Einen Überblick zu Energiethemen und Sparmöglichkeiten finden Sie auch in unserem Energie-Bereich.

HVO kann dort interessant sein, wo bestehende Fahrzeuge weitergenutzt werden sollen und keine schnelle Umstellung möglich ist. Als allgemeine Billiglösung für den Pkw-Alltag wirkt der Kraftstoff nach den genannten Zahlen aber wenig überzeugend. Dazu kommt: Auch andere Bereiche wie die Luftfahrt brauchen nachhaltige Kraftstoffe, wodurch die verfügbare Menge begrenzt bleiben könnte.

Wann Biosprit trotzdem Sinn ergeben kann

Ganz abschreiben sollte man HVO nicht. Für bestimmte Flotten, Spezialfahrzeuge oder Situationen, in denen kurzfristig keine Elektrifizierung möglich ist, kann ein solcher Kraftstoff eine Brückenrolle spielen. Auch für Menschen, die ihr bestehendes Fahrzeug noch mehrere Jahre nutzen müssen, kann die Frage relevant sein – vorausgesetzt, das Fahrzeug ist dafür freigegeben und der Kraftstoff ist verfügbar.

Für den normalen Pkw-Markt bleibt aber entscheidend, ob die Lösung bezahlbar und flächendeckend nutzbar ist. Genau daran gibt es laut Analyse Zweifel. Wenn Angebot und Nachfrage auseinanderlaufen, kann der Preis zusätzlich unter Druck geraten.

Worauf Sie jetzt achten sollten

  • ✅ Rechnen Sie nicht nur mit dem Literpreis, sondern mit den Kosten pro 100 Kilometer.
  • ✅ Vergleichen Sie Stromtarif, Ladeverhalten und öffentliche Ladepreise, bevor Sie ein E-Auto rein nach Durchschnittswerten bewerten.
  • ✅ Prüfen Sie bei HVO, ob Ihr Fahrzeug den Kraftstoff tatsächlich freigibt und ob er in Ihrer Region verfügbar ist.
  • ✅ Behalten Sie Strompreis-Änderungen im Blick – etwa wenn Anbieter ihre Tarife senken, wie zuletzt bei einzelnen Energieversorgern. Mehr dazu: Strompreis-Senkung ab Mai 2026.

Fazit: Biosprit löst das Kostenproblem nicht automatisch

Die Analyse zeigt vor allem eines: Alternative Kraftstoffe sind nicht automatisch die günstigere Lösung. Für viele Autofahrer bleibt entscheidend, wie hoch die Kosten pro Kilometer tatsächlich sind und wie gut die Versorgung im Alltag funktioniert.

Biosprit kann eine Rolle spielen, vor allem für bestehende Fahrzeuge und spezielle Anwendungen. Wer aber auf laufende Kosten achtet, sollte sehr genau vergleichen. Nach den aktuellen Zahlen liegt der Vorteil beim Fahren mit Strom – zumindest im Durchschnitt deutlich.

Quellen und Einordnung

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Finanz-, Steuer- oder Rechtsberatung. Preise, Tarife und gesetzliche Vorgaben können sich ändern.